Erfahrungsbericht über Dina-2 aus Ungarn
Publiziert: Dienstag, 29.10.2019
Liebe Dina
Als ich irgendwann im Frühling 2018 auf der Homepage von animal-happyend von dir gelesen habe, hätte ich nicht gedacht, dass du jemals bei uns einziehen würdest. Für dich wurde jemand gesucht, der Hundeerfahrung mit ängstlichen Hunden hat, am Besten mit einem souveränen Ersthund. Wir verfügten weder über das Eine noch das Andere….Lediglich Erfahrung mit ängstlichen Katzen konnten wir bieten, aber das würde wohl nicht reichen. Also strich ich dich wieder aus meinem Gedächtnis.
Im Juni meldeten wir uns bei Frau Heidi Azali wegen einem anderen Hund, den wir kennenlernen wollten. Da du Ende Mai bei ihr eingezogen warst, standen wir uns auf schicksalshafte Weise plötzlich gegenüber und wir verliebten uns sofort in dich. Es war uns sehr bewusst, dass es nicht einfach werden würde, aber Frau Azali vertraute nach einem Kennenlernspaziergang darauf, dass wir es schaffen würden und stand uns mit Rat und Tat zur Seite. Bis zu deinem Einzug bei uns am 7. Juli 18 besuchten wir dich immer wieder und gingen mit dir spazieren um Vertrauen entstehen zu lassen.
Dein Einzug war trotzdem ein riesiger Schritt für dich. Am ersten Tag warst du so aufgeregt, dass du bis am nächsten Morgen kein einziges Mal Wasser lassen konntest. Am liebsten hättest du dich nur unter unserem Bett verkrochen und wärst nicht mehr hervorgekommen. Wir haben dir daraufhin unter einem Kindertischchen im Wohnzimmer ein Bettchen eingerichtet, damit du aus einem sicheren Unterschlupf heraus beobachten konntest, dass dir bei uns nichts Schlimmes passiert und die Türe zum Schlafzimmer geschlossen.
Allmählich und ganz, ganz langsam wurdest du mutiger. Du lerntest auf unserem kurzen ersten Spazierweg, den wir immer wieder mit dir gingen, deine neue Umgebung kennen und merktest allmählich, dass es hier völlig ok ist. Anfangs machten wir auf jedem Spaziergang eine kurze Pause auf einer Bank, damit du auch dabei erfahren konntest, dass das nicht schlimm ist. Und wir lernten mit dir, dass unser Verhalten dir Sicherheit gibt, dass eine kurze Leine, mit der wir dich ganz nahe bei uns behielten, für dich anfangs hilfreicher war, als die Freiheit einer langen Schleppleine, und dass, obwohl du immer zuvorderst sein wolltest, wir dich an unübersichtlichen Stellen hinter uns führen mussten, um dir immer wieder zu zeigen: Wir beschützen dich!
Es war wunderschön zu sehen, wie du immer etwas mutiger wurdest und dich allmählich Dinge trautest, die dir anfangs Angst machten. Wir konnten auf einmal in der Küche stehen bleiben, wenn du am Essen warst, dein Ritual beim Anleinen (unter dem Bett hindurchkriechen und sich in den hintersten Winkel des Hundekörbchens quetschen, bis das Brustgeschirr angezogen war), war plötzlich vergessen und wir konnten dich neben der Wohnungstüre für den Spaziergang bereitmachen.
Ab und zu gab und gibt es natürlich auch kleine Rückschritte. Du hast eine sehr feine Antenne, wenn bei uns mal jemand schlechte Laune hat, was halt nun mal in einer Familie mit zwei pubertierenden Jungs vorkommen kann. Dann brauchst du wieder etwas mehr Zeit, für Dinge die normalerweise kein Problem für dich sind. In diesen Situationen müssen wir Zweibeiner uns besinnen und wieder etwas herunterfahren.
Du hast uns sehr viel über uns gelehrt, liebe Dina. Plötzlich wurden gemeinsame Spaziergänge wieder viel häufiger und die Gespräche unterwegs intensiver. Wir haben gelernt, dass unsere kleinen Schritte manchmal immer noch zu gross sind und wir zurückbuchstabieren müssen (eine Erkenntnis übrigens, die mir auch in meinem Beruf als Heilpädagogin zu Gute kommt).
Aktuell sind wir daran, dass wir es schaffen, dass wir an anderen Hunden vorbeigehen können, ohne, dass du dich in die Seile hängst und deine Unsicherheit hinter einem Zwergenaufstand verstecken musst. Und auch hier sind kleine Schritte die Zauberformel und jeder noch so kleine Erfolg ist ein Grund zur Freude.
Nein, kleine Maus, du musst kein perfekter Hund werden. Du bist genau gut so, wie du bist, mit all deinen Eckchen und Käntchen. Dass wir dank dir jeden Tag wieder etwas über Nachsicht, Geduld und Vertrauen lernen, bereichert unseren Alltag sehr. Mit deinen Streichen bringst du uns immer wieder zum Lachen, wie zum Beispiel, als du den Katzenbaum elegant erklettert hast, um unseren beiden Katzendamen beim sauber aufessen zu helfen
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