Erfahrungsbericht von Corelli aus Ungarn

.01.2023

Corelli, Schäferhund-Mix. Eine tierisch gute Beziehung bahnt sich an.

Vorgeschichte und Basisfakten: Ich musste Nov. 2021 von meiner Schäferhündin krankheitsbedingt Abschied nehmen. Ich ging weiterhin jeden Tag 2x allein spazieren. Der Postbote war der erste, der sagte, dass er wette, dass ich in einem Jahr einen neuen Hund habe. Ich glaubte es nicht. Ich suchte dann doch: Einen Hund aus der Schweiz. Alter 3-7 Jahre, nicht zu gross, ca. 10-20 kg. Nur – einen solchen Hund gab es nicht!
So wollte ich einen Hund, der es schwierig hatte, ein Zuhause zu finden. Ich besass eine Genehmigung für die Haltung eines Schäferhundes, klärte nochmals mit der Hausbesitzerin ab, ob ein neuer Hund in meiner Wohnung O.K. wäre. Ich sah Cornelli (geb. 19.5.2021) bei animal- happyend im Internet. Er kam am 25.2.2022 aus Ungarn auf einen Pflegeplatz in die Schweiz. Er war ein verschüchterter kleiner Schäferhund Mix. Videos zeigten diesen scheuen Kerl. Er hatte Mühe mit der Tierheimsituation und versteckte sich zwischen Hundehütte und Wand. Eingeschüchtert, ängstlich vom Lärm und der Hektik des Tierheims. Er kannte kein Hundeeinmaleins. Eine ruhige Umgebung und ein souveräner Zweithund wären eine grosse Hilfe für ihn. Sein Internetname war Cornelli. Er sollte ein Hund mit einer Endgrösse von 50-60 cm und Endgewicht von 15- 23 kg werden (geschätzt).

 

Die Entscheidung für Corelli:  Ich bewarb mich. Mein Zuhause und meine Vorkenntnisse wurden geprüft. Ich wohne in der Nähe einer Strasse, nichts von ruhiger Umgebung und besitze keinen Zweithund. Aber, ich habe Erfahrung mit Tieren, hatte ein eigenes Pferd, Hunde,Schildkröte... Und, viele andere Tiere in meinem Leben spielten eine Rolle. Nach dem Probegehen mit Corelli am 2.4.2022 im Tierheim, war für mich klar – es ist ein guter Hund für mich. Er war ängstlich, aber gleichzeitig neugierig. Ich entschied am 3.4. und mailte es animal-happyend. Am 4.4. holte ich Corelli ab.
Corelli – sein Name stand auf dem Hundepass und allen Papieren. Der erste Tag. Die Fahrt nach Hause fühlte sich für Corelli stressig an. Ich blieb ruhig. Corelli erkundet sein neues Zuhause. Ihm schmeckt sein Fressen.

Die Herausforderungen

Er war nicht stubenrein, was klar war, da er ein Hund vom Tierheim ist. Er pinkelte auf den Teppich, darunter war ein Parkettboden. Ich legte ein Plastiktischtuch und einen waschbaren Molton auf den Platz. Um in stubenrein zu kriegen, ging ich oft raus, wartete, bis er sein Geschäft erledigt hatte, lobte ihn ausgiebig und belohnte ihn. Erst dann ging der Spaziergang mit Schnüffeln und Erkundigung los. (Wenn er sich in der Wohnung versäuberte, ignorierte ich ihn. Denn sonst hätte sich die Angst verstärkt und er hätte aus Angst den Platz gewechselt.) Er lernte nach und nach, dass er draussen pinkeln und koten sollte. Er war nach einiger Zeit sauber. In Stresssituationen brauchte es aber länger.
Die Unterscheidung was mir und dir gehört. Im Tierheim gehört alles dem Hund. In meiner Wohnung nicht. Er lernte schnell, da ich ihm zeigte, dass er eine Kiste mit Spielsachen hatte. Trotzdem gab es Zwischenfälle: Die Fernbedienung des TV hat 2 Tasten weniger und mein Schlafkissen hat nur noch 3 Ecken. Um ihm den Unterschied zu lernen, schlug ich mit einem Frottiertuch oder Rührkelle auf den Gegenstand, der mir gehört. Es musste unmittelbar passieren, damit die Verknüpfung richtig funktionierte. Er lernte schnell. Angst vor Geräuschen, wie das öffnen der Türen im Eingangsbereich. Ich ignorierte seine Angst. Die Neugierde half mir, dass er bald wissen wollte, was in den Schränken war. Ich hatte sie leicht offengelassen, dass er die Sachen selbst erkunden konnte. Unsicherheit bei anfahrenden Autos, Kehrrichtabfuhr und Fussballplatz.

Ich setzte mich etwas entfernt von einem Kreisel hin, er sprang auf die kleine Mauer neben mich und beobachtete den Verkehr. Einige Tage später etwas näher... Die Neugierde half. Das erste Mal bei der Kartonabfuhr wollte er in die Büsche. Ich ging etwas beiseite und liess ihn zuschauen. Beim nächsten Mal war er so neugierig, dass er näher wollte und die Sache genau beobachtete. Heute meldet er, dass die Abfuhr kommt, will auf den Balkon, um zu sehen was passiert. Als wir das erste Mal am Fussballplatz vorbeigingen, wollte er in einen Garten hinter die Hecke. Ich ging einfach weiter, als ob nichts wäre und er ging auf der Aussenseite. Auf der anderen Seite waren wir weiter weg. Er setzte sich und schaute zu, wie sie riefen und hinter dem Ball herrannten. Corellis Angst auf den Balkon zu gehen. Er ging ca. 1 Monat lang nur bis an die Balkontüre.

Eine besondere Herausforderung – Junghundekurs:

Am 2.5. war die erste Stunde des Junghundekurses. Corelli hatte Panik, bellte eine Stunde lang beinahe ununterbrochen, zog, wollte nur in die Büsche. Zu viel Bewegung um ihn herum, zu viele Einzäunungen, zu viele Menschen in der Nähe. Eine verständnisvolle Leiterin, geduldige Teilnehmer mit ihren Hunden, ermöglichten es, dass wir weiter machen konnten. Dann kam noch die Ankündigung, dass wir in der 10. Stunde eine Abschlussprüfung machen werden. Ich dachte in diesem Augenblick ‘dieser Hund kann das nie in der Zeit schaffen’. Was wir nacheinander während der Stunde ausprobierten: Leckerlis, an einer Tube lecken, um ihn zu beruhigen. Ihn umdrehen, zwischen den Beinen Schutz geben. Herumgehen, um ihn zu beruhigen. Leckerli am Boden suchen, weg von den anderen, etc., etc. Jede Aktion funktionierte nur kurze Zeit. Zuletzt brachte Wasser spritzen den Durchbruch. Aber auch, dass ich und die anderen es einfach aussassen. Ich übte dazu viel zuhause. Ich trainierte Doppelbefehle in Form von Hör- und Handzeichen. So machten wir in der 10. Stunde die Prüfung. Er machte es sehr gut, ich war stolz auf Corelli. Er war sogar ein Vorbild, weil man sah, was man mit einem absolut panisch ängstlichen Hund schaffen kann. Was ich wirklich gelernt habe: Corelli folgt mir besser, als ich je gedacht hätte. Corelli ist sehr sozial mit anderen Hunden und ist kein Schäferhund typischer Macho. Februar 2023 geht es weiter mit dem Erziehungskurs.

Tierarzt und Entscheidungen: Mit den guten Unterlagen von animal-happyend machte ich schnell einen Termin bei meinem Tierarzt, den ich kenne und vertraue. Er erhielt alle relevanten Unterlagen. Der Tierarzt untersuchte Corelli, machte nochmals eine Tollwutimpfung. Mit Wurmkur, Floh-/Zeckenmittel fuhr ich nach Hause. Anstehende Themen waren Kastration und dass Corelli nicht gerade ging, teilweise leicht lahmte. Ein Knollen an der hinteren Pfote von Corelli wurde untersucht, da er grösser wurde und durch das vermehrte Rennen immer wieder aufplatzte und blutete. Am 31.8.202 wurde Corelli kastriert, der Knollen an der Pfote wegoperiert, dazu Hüftgelenke und Rücken geröntgt. Danach folgte mehrmals wöchentlich die Nachbehandlung der Pfote durch den Tierarzt. Zuhause Halskrause, Pfoten Schutz. Alles ist gut verheilt. Der Tierarzt sendet mir nun die Impferinnerungen.

Neues Training und Beschäftigung: Um den Rücken und die Hinterhand von Corelli zu stärken, gingen wir auch steilere Waldwege hinauf und dann in Schlangenlinien wieder flacher hinunter. Corelli und ich lieben die Spaziergänge in der Natur und die alltäglichen Spaziergänge. Doppelt gesichert bis hin zum einfachen Halsband. Von der Futtersuche im Teppich, über Suchen von Belohnung in der WC-Rolle, bis hin zu kleinen Fährten, wo am Ende in einem Zimmer oder auf dem Balkon eine Belohnung wartet.
Von Ballspielen bis zu komplexeren Spielen. Corelli hatte anfangs grosse Angst vor allem, was auf ihn zuflog. Er muss Verängstigendes erlebt haben. Wir trainieren weiter, damit er noch mehr Vertrauen fasst. Vom ängstlichen Hund, der sich versteckt, zum vertrauensvollen Schutzsuchenden.

Corelli sieht sich zum ersten Mal selbst. Durch seine Neugierde und sein wachsendes Vertrauen
kann er die Welt teils frei erkunden und mit Hundekumpels herumtollen. Ein selbstbewusster junger Hund. Er ist vom 4.4.2022 bis heute bei mir. Mit 29 kg ist er schwerer als geschätzt. Da wir uns immer besser verstehen, ist das kein Problem.
Es ist nicht immer leicht. Die Zeit, Zuversicht und die Geduld, die ein ängstlicher Hund braucht, sind gross. Die Freude und die Herausforderung für ein so wunderbares Tier sind alle Mühe wert.

 

Unser Weg geht weiter, Pfote um Pfote, Schritt für Schritt.

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