Erfahrungsbericht von Popey aus Ungarn

.09.2022

Nachdem Popey am 19. Mai bei uns eingezogen ist, war er die ersten beiden Tage ganz still. Wir waren unsicher ob er überhaupt bellen kann. Das hat sich dann ab dem dritten Tag geändert. Wir sind überzeugt, dass er vermutlich durch die Reise traumatisiert war.

Die erste Woche haben wir ihm Zeit gelassen sich an uns und die neue Situation zu gewöhnen. Alles schien für ihn stressig. Jedes Geräusch, jede Begegnung mit Menschen, Tieren, Fahrzeugen liessen ihn von Null auf Hundertfünfzig steigen. Teilweise ging es bis zu 45 Minuten bis wir ihn wieder beruhigen konnten. Unsere Tierärztin hat uns bei der Erstkonsultation zusätzlich zum bereits vorhandenen Pheromon-Stecker noch das Halsband empfohlen was wir auch gemacht haben. Dazu haben wir aufgrund seiner alten Hüftfraktur das Medikament Dogosan forte erhalten und eine Zeckenprofilaxe gemacht.

 

Wir haben den Hundetrainer (Hundeschule Bern - Martin Rütter DOGS Bern/Fribourg (martinruetter.com) engagiert, der bereits Ende der zweiten Woche das erste Mal bei uns zu Hause eine Anamnese machte und uns Aufgaben für das Training gegeben hat. Nach einem Monat ist er das zweite Mal zu uns gekommen um die Hundebegegnung zu trainieren. Dies ging schliesslich total daneben. Popey war bei der Begegnung mit einem Mann der mit seinen zwei Hunden im Wald spazieren ging nicht mehr ansprechbar. Der Trainier hat uns empfohlen vorerst keinen Hunden mehr zu begegnen und zu Hause den Rückruf und andere Kommandos zu festigen. Ein Training mit anderen Hunden in seiner Hundeschule ist in diesem Zustand nicht möglich. Das haben wir getan und Popey macht meistens ganz gut mit was uns sehr freut! Dies hatte jedoch zur Folge, dass ich morgens um fünf für mindestens eine Stunde mit ihm auf der grossen Tour war damit er doch auch ausserhalb unseres Gartens Auslauf und Bewegung erhält. Manchmal bellt er bis nach Mitternacht. Sie können sich vorstellen, dass dies für mich sehr anstrengend war. Neben diversen Brillen, seinem flauschigen Bett und sonstigen Utensilien zerkaut er alles was  er erwischt. Daher haben wir unsere Wohnung umgestellt und Baby- resp. Hundesicher gemacht.

In der Zwischenzeit mussten wir ihn auf Giardien testen lassen weil er an Durchfall litt. Der Test war positiv und wir liessen ihn dagegen behandeln. Der zweite Test nach der Behandlung war dann negativ.

Am 20. Juni habe ich Frau Jezdik eine Mail mit der aktuellen Situation geschrieben und sie hat mir eine Hundeschule in der Ostschweiz empfohlen was für uns einfach zu weit ist.

Aufgrund meiner Erschöpfung habe ich mich entschlossen Popey für eine Woche in eine Hundepension zu geben damit ich wieder einmal richtig schlafen konnte. Diese Pension hat mit Popey jeden Tag trainiert. Als ich ihn abholte war ich total begeistert welchen Fortschritt er in dieser kurzen Zeit gemacht hat! (Tierferien und Hundeausbildung – Tierferien und Hundeausbildung (hunde-fuehrer.ch)) Eine Woche später habe ich noch ein Einzeltraining bei ihr gebucht damit sie mich anleiten konnte. Und wieder habe ich viel gelernt. Damit er in die Pension gehen darf, mussten wir ihn noch gegen Zwingerhusten Impfen.

Dies hat leider nicht lange gehalten. Zwei Wochen später hatten wir Besuch von Freunden mit einer alten Hündin. Da Popey mit Hündinnen meist ein Gentlemen ist, hatten wir überhaupt keine Bedenken. Aber weit gefehlt! Er bellte sie unaufhörlich an. Ich konnte Popey für eine gute Stunde zu meinem Bruder bringen damit wir überhaupt essen konnten. Als er wieder zu uns zurück kam ging das Gebell wieder von vorne los bis unsere Gäste aufbrachen weil so überhaupt kein Gespräch mehr möglich war. Von diesem Tag an verhielt sich Popey fast wieder wie ganz am Anfang. Ich war verzweifelt und fragte mich ob ich dem kleinen Kerl überhaupt gerecht werden könnte.

Zu Hause ist er oft lieb und verschmust. Wir spielen viel zusammen. Futter suchen gehört zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Mittlerweilen schläft er in der Nacht besser und länger. Dadurch ist er insgesamt ein bisschen ruhiger geworden. Meiner Meinung nach ist er trotzdem noch aufgeregt und läuft hin und her obwohl wir gerade vor kurzem auf einer Pipi-Runde waren. Vorbeifahrende Motorräder oder Pferde, Kinderlachen oder ein aufheulendes Auto wird lautstark verbellt.

Gestern haben wir die Resultate vom Reisescreening erhalten. Herzwürmer waren negativ aber Babesiose ist leider postitiv. Darum waren wir heute erneut in der Tierklinik um den ersten Teil einer zweiteiligen Impfung zu verabreichen. Der zweite Teil erfolgt dann in zwei Wochen.

Aktuell besuchen wir einen Rückrufkurs um das Kommando auch ausserhalb unseres Gartens zu festigen. Ausserdem sind wir für die Rudelspaziergänge angemeldet sobald es freie Plätze gibt.

An einen Restaurantbesuch ist immer noch nicht zu denken. Auch Ferien mit unserem Camper ist unmöglich. Wir können Popey auch meiner Schwester die als «Gotti» fungiert nicht überlassen weil sie sich vor ihm fürchtet wenn er «ausser Kontrolle» gerät. Auch passiert es immer wieder, dass er sein Geschäft im Haus macht. Er kommt vom Garten ins Wohnzimmer und macht sein Häufchen in einen Ecken oder er macht Pipi gerade wie es ihm passt. Es gibt Tage da passiert nichts und wir haben die Hoffnung, dass er es jetzt kapiert hat und dann gibt es Tage an denen es wieder passiert.

Popey ist uns bereits sehr ans Herz gewachsen und daher versuchen wir alles was in unserer Macht steht um aus ihm einen alltagstauglichen und angenehmen Begleiter zu machen. Wenn ich sehe was er in den vier Monate schon alles gelernt hat, habe ich schon die Hoffnung, dass wir unser Leben wieder einmal einigermassen leben können. Denn Ferien konnten wir bereits wegen Corona nicht machen und kulturelle Besuche sind ebenfalls nicht möglich weil ihn niemand für ein paar Stunden hüten kann.

Zurück

Kommentare
Einen Kommentar schreiben
Was ist die Summe aus 1 und 1?

© 2007-2026, animal-happyend, Verein für Tiere in Not