Erfahrungsbericht von Rob-6 aus Ungarn

.08.2022

Ein halbes Jahr mit Krambambuli ehemals Rob

Im Januar 2022, nach langer Krankheit war es endlich so weit, dass ich wieder spazieren gehen konnte. Die letzte Zeit war sehr schwierig gewesen, ständig ans Haus gefesselt. Es ist Zeit für mehr Freude und Bewegung in meine Leben und so beschloss ich, zusammen mit meinem Mann, dass wir wieder einen Hund aufnehmen.

Da ich gesundheitlich noch nicht fit war, beschlossen wir, einem mittelgrossen, alten Hund eine Chance zu geben.
Wir durchforsteten die Internetseiten der Schweizer Tierheime und stellten fest, dass zurzeit sehr wenige Hunde zur Vermittlung stehen und dass keiner dieser Hunde zu uns und unserem Kater passten.

Wir wollten unbedingt einen Hund aus der Schweiz, damit wir ihn zuerst anschauen und kennenlernen können.
Mein Mann stolperte über die Webseite von AnimalHappyend und war sofort von Rob begeistert. Ein 9-jähriger Mischling mit viel belgischem Schäfer drin, mit 56 cm etwas grösser als geplant, aber er sollte es sein.

Nach einer schon bald stattfindenden, freundlichen Vorkontrolle durften wir ihn Anfang Februar bei seiner Pflegestelle besuchen.
Uns wurde die Leine in die Hand gedrückt, wir sollten mit ihm etwas spazieren gehen.
Wir versuchten also loszulaufen, doch merkten sehr schnell, dass Rob überhaupt keine Ahnung hatte, was wir von ihm wollten. Mit etwas Futter konnten wir ihn davon überzeugen, dass er doch ein paar hundert Meter mit uns kommt.

Rob war dünn, sehr, sehr dünn. Ich konnte meinen Zeigefinger zwischen seinen Rippen versenken. Er schien mir gross, schüchtern und vorsichtig, aber er hatte eine wunderbare, ruhige Ausstrahlung.
Wir waren hin und weg und durften ihn schon am nächsten Tag zu uns holen.
Auf dem Nachhauseweg sass er im Kofferraum, ich auf dem Rücksitz. Den ganzen Weg drückte er seinen Kopf an meine Schulter.

Rob kannte gar nichts. Er war eingeschüchtert in der Wohnung, reagiert nicht auf uns. Zuhause fiel uns auf, dass er deutlich grösser sein musste als unser letzter Hund. Wir massen ihn. Anstatt der beschriebenen 56 cm hatte er eine Schulterhöhe von 67. Alles an ihm war gross. Die Pfoten, die beeindruckenden Zähne, der lange Schwanz.

Sobald er begriffen hatte, dass es in unserer Küche zu fressen gab, war das sein Lieblingsplatz. Er weigerte sich mit uns zu spazieren. Wieso sollte er den Ort verlassen, an dem er gefüttert wurde? Er machte weder grosse noch kleine Geschäfte, hielt 26-28 Stunden ein und als es dann gar nicht mehr ging, machte er in der Nacht in mein Büro Zimmer auf den Teppich.

Überhaupt war dieser Teppich die nächsten Tage sein Lieblingsort, um sich zu versäubern. Es verging fast eine Woche, bis er unserer Routine so weit kannte, dass er mit uns, alle paar Stunden einen kleinen Spaziergang machte und begriff, dass es danach immer wieder zurück an seinen Lieblingsplatz, neben seine Futterschale ging. Irgendwann konnte er sich dann genügend entspannen, dass er sich auf den Spaziergängen lösen konnte und seither ist er stubenrein.
Wir blieben bei einer starren Routine. Immer zur gleichen Zeit aufstehen, rausgehen, füttern, schlafen gehen. Wir riefen ihn Bam, die Abkürzung seines neuen Namens Krambambuli.

Bam hatte keine Ahnung, dass es eine Kommunikation zwischen Hund und Mensch gab. Ich fing an Leckerlis auf den Boden zu legen und darauf zu zeigen. Nach ein paar Tagen fand er meinen Finger spannend und fing ganz langsam an auf mich zu reagieren. Als Schäfer müsste er eigentlich gerne lernen und mit dem Menschen kommunizieren. Man merkte, dass er dies wohl in seinem bisherigen Leben noch gar nie gemacht hatte. Sein Hirn schien ganz eingerostet zu sein.

Von Woche zu Woche taute er mehr auf, legte seine Schüchternheit ab und fängt an Freude zu zeigen. Wir merken, dass sein Alter wohl falsch geschätzt war, er muss deutlich jünger sein. Er ist voller Energie, springt aus dem Stand 1 m hoch auf eine Mauer, hüpft vergnügt durch die Wiesen.
Immer, wenn er etwas angespannt ist, kaut er mit seinem starken Gebiss. Seine Hundekissen, mein Wollknäul, meine Schuhe. Diverse Decken bekommen Löcher. Als wäre er ein junger Hund zerstört er einiges.

Sehr langsam lernt er neue Kommandos, doch er fängt an Freude zu entwickeln mit uns zu arbeiten.
Er lernt die Umgebung kennen, seine Angst vor Regen abzulegen, nachdem wir ihm einen Regenmantel gekauft haben, Bus und Zug fahren und wir merken, dass er im Grunde ein sehr nervenstarker, verschmuster Kerl ist.

Nach einem halben Jahr ist er ganz angekommen. Wenn eine Situation für ihn schwierig ist, kommt er zu uns und schmiegt sich an uns oder versteckt sich hinter uns, vertraut aber genug, dass er mit uns weitergeht.  Er ist inzwischen ein unkomplizierter Begleiter. Er hat zugenommen und ist super in Form. Er kennt viele Kommandos, liebt es zu Apportieren und schmust mit unserem Kater.

Nur wenn er Futter in der Nase hat, vergisst er alles um ihn herum. Die Zeit des Hungerns ist wohl noch tief in seiner Erinnerung eingegraben.
Sein Lieblingsort ist inzwischen unser Sofa, wenn mein Mann und ich beide zuhause sind, ist sein Glück perfekt.
Jetzt haben wir beschlossen, uns auf ein neues Abenteuer einzulassen.

Im August werden wir von AnimalHappyend einen Pflegehund aufnehmen. Rugi, 6 Monate alt.

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